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Wo der Wein entsteht: Zu Besuch bei unseren Winzerpartnern im Kamptal und Wagram

Wie schmeckt eine Weintraube wenige Tage vor der Lese? Was macht ein heißes, trockenes Jahr mit den Reben? Und können Weißweine tatsächlich über zehn Jahre reifen? 

Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, haben wir uns Ende August auf den Weg nach Niederösterreich gemacht. Unser Ziel: zwei Winzerfamilien, deren Weine wir besonders schätzen und die wir in unserem Angebot haben – das Weingut Gruber43 im Kamptal und das Weingut Stefan Höllerer im Wagram

Wir wollten die Weine dort erleben, wo sie entstehen: im Weingarten, im Keller und natürlich im Glas. 

2026: Hitze, Trockenheit – und überraschend vitale Reben 

Schon auf der Fahrt nach Mittelberg bei Langenlois war die außergewöhnliche Witterung des Jahres 2026 nicht zu übersehen. Felder und Wälder wirkten vielerorts ausgetrocknet, die Böden waren staubtrocken und manche Pflanzen zeigten deutliche Trockenschäden. 

Bei Markus und Gabi Gruber konnten wir uns anschließend selbst ein Bild von den Reben machen. Und das Ergebnis war überraschend: Die meisten älteren Rebstöcke präsentierten sich saftig grün und erstaunlich vital. Lediglich jüngere Reben, deren Wurzeln noch nicht so tief reichen, zeigten deutlichere Schäden. 
Die Trauben sind in diesem Jahr kleiner als gewohnt, dafür überwiegend gesund und bereits ausgesprochen aromatisch. Bei unserem Besuch konnten wir die beinahe reifen Trauben direkt im Weingarten verkosten – ein Erlebnis, das man als Weinliebhaber nicht alle Tage bekommt. 

Biologischer Weinbau punktet im Trockenjahr 

Das Weingut Gruber43 arbeitet biologisch. Auffällig sind die begrünten Rebzeilen, in denen Gräser und andere Pflanzen wachsen. Diese Begrünung schützt den Boden, unterstützt das Bodenleben und kann dabei helfen, vorhandene Feuchtigkeit länger zu speichern. 
Gerade in einem trockenen Jahr zeigt sich, wie wichtig ein gut entwickelter Boden und tief wurzelnde Reben sein können. Die Eindrücke vor Ort stimmten uns jedenfalls optimistisch, was die Entwicklung des Jahrgangs 2026 betrifft. 

Besonders spannend war der Vergleich verschiedener Lagen. Wir verkosteten u. a. Grünen Veltliner aus der Lage „Mittelberg vom Löss“ und aus der Top-Lage „Ried Rothenbichl“. Obwohl die Lagen beinahe nebeneinander liegen, unterscheiden sie sich in Boden, Rebalter und teilweise auch in den verwendeten Klonen (Zuchtvarianten der jeweiligen Rebsorte). 
Schon die Trauben zeigten unterschiedliche Aromen. Was im Weingarten beginnt, findet sich später auch im fertigen Wein wieder: Herkunft kann man schmecken. 

Wagram: Hagel als bitterer Rückschlag 

Am darauf folgenden Tag ging es weiter zu Sabine und Stefan Höllerer in den Wagram. Die Stimmung war jedoch an diesem Tag etwas getrübt. In der Nacht zuvor hatte ein Hagelschlag einen Teil der Reben beschädigt. Nach einem ohnehin schwierigen Jahr mit Hitze und Trockenheit ist ein solches Unwetter für einen Winzer besonders bitter. 
Trotz Hagelschutznetzen waren einige Trauben betroffen. Was verschont geblieben war, präsentierte sich jedoch gesund und schmeckte bereits ausgezeichnet. Stefan Höllerer war deshalb zuversichtlich, bald mit der Lese beginnen zu können. 

Unser besonderes Augenmerk galt hier dem Roten Veltliner, einer der charakteristischen Rebsorten des Wagrams. Auch beim Weingut Höllerer wird biologisch gearbeitet und auf begrünte Rebzeilen gesetzt. Die Reben hatten die Trockenheit insgesamt erstaunlich gut verkraftet. 

Die Lösskeller: Weinbaugeschichte zum Anfassen 

Eine Besonderheit von Kamptal und Wagram sind die traditionellen Lösskeller. Sie wurden direkt in den weichen Lössboden gegraben und bieten durch ihre natürliche Bauweise ein konstant kühles und feuchtes Klima. 
Wer einen solchen Keller betritt, merkt den Unterschied sofort: Während draußen hochsommerliche Temperaturen herrschen, ist es im Inneren angenehm kühl. Der typische schwarze Kellerschimmel, auch „Kellertuch“ genannt, gehört zum natürlichen Mikroklima dieser Keller und unterstützt die hohe Luftfeuchtigkeit. 

Besonders spannend wurde es bei der Verkostung alter Jahrgänge. Gabi und Markus Gruber holten gereifte Weißburgunder und einen Riesling aus dem Jahr 2012 aus ihrer Schatzkammer. 
Die Weine zeigten sich auch nach mehr als zehn Jahren erstaunlich frisch und präsent. Sie hatten an Komplexität gewonnen und gleichzeitig ihre Spannung und Frische bewahrt. 

Für uns ein echter Beweis dafür, dass die Vorstellung „Weißwein muss jung getrunken werden“ längst überholt ist. Hochwertige Weißweine können sich über viele Jahre hervorragend entwickeln. 

Ein spannender Jahrgang 2026 

Unser Besuch hat uns einmal mehr gezeigt: Guter Wein entsteht nicht im Keller, sondern im Weingarten. Hitze, Trockenheit, Hagel, Boden, Rebenalter und Lage beeinflussen, was später in der Flasche landet. Die Winzer können vieles steuern – gegen die Vorgaben der Natur können aber auch sie nicht arbeiten. 

Der Jahrgang 2026 war bislang herausfordernd. Gleichzeitig präsentierten sich viele Trauben bei unserem Besuch gesund und aromatisch. Jetzt kommt es auf den richtigen Zeitpunkt der Lese und die weitere Arbeit im Keller an. 

Wir werden die Entwicklung der beiden Weingüter jedenfalls aufmerksam verfolgen und freuen uns schon sehr darauf, wenn die ersten Weine des Jahrgangs 2026 in der Flasche sind. 

Die Weine von Gruber43 und Stefan Höllerer entdecken 

Wer nicht so lange warten möchte, kann die aktuellen Weine der beiden Winzerfamilien natürlich schon jetzt entdecken. Sie zeigen eindrucksvoll, was die Regionen Kamptal und Wagram auszeichnet – vom knackig-frischen Grünen Veltliner bis zum aromatischen Roten Veltliner und noch vieles mehr. 

Weingut Gruber43 – Weine aus dem Kamptal: bitte hier klicken, um alle Weine des Guts zu finden

Weingut Stefan Höllerer – Weine vom Wagram: bitte hier klicken, um alle Weine des Guts zu finden 

Und wer es nicht abwarten kann bis der 2026er in der Flasche ist, macht es wie wir bei unserem Besuch: Verfügbare Flasche öffnen, einschenken und genießen. Denn so gut sich Wein im Keller auch entwickeln kann – am schönsten ist er immer noch im Glas.